Identität
Sie waren Zwillinge, doch charakterlich nicht gleich;/ Meike war beliebt/
bei den meisten, Amelie/ wurde schnell der Ruf der Versagerin zuteil./
Schon lange suchte sie der Groll ihrer Eltern heim;/ seit der Kindheit die Fragen/
ob sie bei der Erziehung versagten,/ und warum sie nicht so wie die Schwester sei,/
die mit einem Mann aus gutem Hause liiert war,/ nicht so wie Amelie,/
die sich nichts sagen lies/ und ihre Ausbildung hinwarf./
Über die Gründe schwieg sie, letzt~/lich saß die Angst schon zu tief,/
dass ihre Eltern nur sagen, "das hast du verdient"/ und "geschieht dir recht."/
Sie wollte ihr Dasein nur genießen,/ aber Ihr wurde das Leben verwehrt,/
sie starb jeden Tag mehr/ durch die Erwartungen an sie./
Stetig wuchs der Neid auf ihre Schwester,/ auf das, was sie verdiente,/
und auf die Reisen in die Länder,/ für die sie sich garnicht intressierte./
Es waren Amelies Träume, die Meike verwirklichte/..damit zu leben/
war ihr unmöglich/..und der Wein tat sein übriges./
...
Als man sie fand, war es zu spät - Amelie lag im Bad, neben ihr/
Schlafmittel; daran war sie krepiert,/ sagte der Arzt unberührt./
Sie wurde aufgebahrt, ihre Eltern trauerten leise/
und gingen nach draussen, dann war in dem Raum nur noch Meike./
Sie berührte die bleiche Haut,/ streichelte ihr über die Hand,/
Moment, die ist ja warm!/...Amelie riss ihre Augen auf,/
würgte Meike, bis sie letztlich zusamm´sakkte/ auf den steinernen Fließen/
sie nahm ihrer Zwillingsschwester die Handtasche/ und entkleidete sie./
Amelie machte sich zurecht,so gut/ es ging, nach dem Abbild Meikes
hievte sie in den Sarg und...klappte nun den Dekkel zu...
...
Sie steht vor dem Grab und gibt ihrem "Ehemann" die Hand/
Die Ähnlichkeit ist verblüffend..als nächstes sind sie dran/
Sie wirft Erde auf den Sarg und flüstert: "Ich werde dich vermissen, Meike."
und zeigt den Hauch eines Lächelns als ihre Schwester in die Tiefe gleitet.
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